„Ich fühle mich in Großstädten zu Hause… Es gibt so viele Menschen, die in ihren eigenen Welten leben und ihre eigenen Interessen verfolgen.“ stories — Ich versuche nur einen kleinen Teil davon einzufangen.“
Eine einsame Gestalt schreitet durch eine schwach beleuchtete Gasse in Tokio. Der Schein vorbeifahrender Scheinwerfer glitzert auf dem regennassen Asphalt. Ihr Regenschirm fängt das Licht ein, während Spiegelungen auf dem nassen Glas und Stahl tanzen, die die Straße säumen. Wer sind sie? Wohin gehen sie? Es ist ein flüchtiger, alltäglicher Augenblick – doch in Eren Sarigüls Bildausschnitt wird er zu etwas Größerem: einem Fragment einer größeren, unsichtbaren Geschichte.
Solche Szenen sind typisch für das Werk des Londoners – poetisch, filmisch und still introspektiv. Seine Bilder fangen den Puls der Stadt ein und destillieren ihr Chaos zu Stille: Momente der Einsamkeit inmitten des Lärms, Bewegung in der Ruhe. Durch Spiegelungen, lange Belichtungszeiten und die sanfte Lichtstreuung verwandelt Sarigül die urbane Landschaft in etwas Lyrisches und macht das Gewöhnliche außergewöhnlich.
Sariguls Faszination für visual storytelling Das begann lange bevor er eine Kamera in die Hand nahm. „Schon als Kind interessierte ich mich für Fotografie und Film“, erinnert er sich, doch erst eine Reise nach Japan – einem Land, das Künstler und Filmemacher seit jeher inspiriert, von Sofia Coppola bis hin zu Fotografen – weckte sein Interesse. Gregor Giard—dass seine Leidenschaft ihn wirklich ergriffen hatte.
Aus einer Laune heraus kaufte er sich eine kleine Kompaktkamera und verliebte sich sofort in sie. street photography„Die Fähigkeit, die stories „Die Fotos meiner Reise meiner Familie zu Hause zu zeigen, war für mich etwas ganz Besonderes“, sagt er. Dieser einfache Akt des Beobachtens und Teilens markierte den Beginn seiner fotografischen Reise.
Obwohl die Fotografie sein Medium ist, bleibt das Kino seine größte Inspirationsquelle. Die Filme von Wong kar-waiMit ihren verträumten Farbpaletten und ihrer schmerzlichen Sehnsucht haben sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ebenso wie Klassiker wie Goodfellas kombiniert mit einem nachhaltigen Materialprofil. Blade Runner„Ich fühle mich am meisten inspiriert zum Filmen, wenn ich Filme mit einer wunderschönen Kameraführung sehe“, erklärt er. Dieser filmische Einfluss ist in seinen Bildern unverkennbar; jedes einzelne Bild ist voller Atmosphäre und erzählerischer Spannung, als wäre es den stillen Momenten eines Films entsprungen.
Sarigul lässt sich von Meistern wie Ara Guler inspirieren. Ernst Haas, Saul Leiterund Harry Gruyaert – doch sein Stil bleibt unverwechselbar. Wie seine Vorbilder (mit Ausnahme von Guler, der für seine monochromen Arbeiten bekannt ist) nutzt er Farbe nicht nur zur Darstellung, sondern auch zur Erzeugung von Assoziationen; Licht und Schatten werden zu emotionalen Werkzeugen, und Spiegelungen – durch Glas, Pfützen oder Regen – dienen als Portale zwischen Realitäten. „Ich versuche, zu verschmelzen.“ street photography „mit einem Hauch von bildender Kunst“, erklärt er. „Ich möchte nicht einfach nur dokumentieren, was ich sehe – ich möchte es auf eine visuell interessante Weise präsentieren.“
Für Sarigul liegt die Schönheit in street photography Das Besondere ist die Unberechenbarkeit. „Man weiß nie genau, was einen erwartet“, sagt er. Die Straße ist eine lebendige Bühne – fließend, spontan und voller unendlicher Möglichkeiten. Oft streift er umher und erkundet die Gegend, doch genauso gut kann er stundenlang warten, wenn eine bestimmte Szene vielversprechend erscheint.
Diese geduldige Neugier verleiht seinen Bildern ihre stille Intensität: Jedes einzelne wirkt eher entdeckt als konstruiert, als ob die Stadt selbst die Komposition geliefert hätte.
Das Stadtleben ist sein natürlicher Lebensraum. Aus seiner Heimatstadt London nach Paris, TokioIn New York fühlt er sich zu Orten hingezogen, die vor Bewegung und Geheimnis nur so strotzen: „Je größer und verrückter sie sind, desto interessanter sind sie zum Filmen.“ In diesen riesigen Metropolen findet Sarigul Intimität in der Anonymität und fängt Momente ein, die sonst im Strom der Menge untergehen würden: eine Gestalt unter einem Regenschirm, eine flüchtige Spiegelung in einem Zugfenster, ein Neonblitz im Regen.
„Ich wechsle gern meine Fotomotive“, sagt er. „Wenn man immer am selben Ort fotografiert, verliert man leicht den Blick für die kleinen Details.“ Dieser Drang nach Neuem hält seinen Blick geschärft und ermöglicht es ihm, überall, wo er hinkommt, mit frischen Augen zu sehen. London bleibt eine Konstante – „weil es meine Heimat ist“ –, während Istanbul Vertrautheit und Nostalgie bietet, New York als „Spielwiese für Straßenfotografen“ dient und Tokio eine besondere Bedeutung hat, da dort seine Reise begann.
Sariguls Herangehensweise hat sich über die Jahre parallel zu seinem Verständnis des Mediums weiterentwickelt. Als Autodidakt hat er sich sein Wissen durch Übung, Beobachtung und das Studium der Meister angeeignet. „Ich habe mir das Fotografieren im Grunde selbst beigebracht, indem ich einfach losgezogen bin und fotografiert habe“, erinnert er sich. „Eine der größten Veränderungen ist, dass ich mir viel mehr Gedanken darüber mache, was ich fotografiere.“ Diese bewusste Zurückhaltung verleiht seinen jüngsten Arbeiten eine gewisse Raffinesse; jedes Bild ist von Atmosphäre und emotionaler Tiefe durchdrungen.
Obwohl seine Bilder vor filmischer Energie nur so strotzen, wirken sie oft meditativ, ja sogar melancholisch. Jedes einzelne erscheint wie ein Fragment einer größeren Erzählung, eine offene Geschichte zwischen Bewegung und Stille, Licht und Schatten. Indem er solche flüchtigen Augenblicke einfriert, erinnert uns Sarigul an die stille Poesie der Fotografie: ihre Fähigkeit, Schönheit im Vergänglichen zu entdecken und im Puls der Stadt ein Spiegelbild unserer selbst zu offenbaren.
Alle Bilder © Eren Sarigul